Kritik - Der nackte Wahnsinn

Drei Einbrecher sind zwei zu viel: Szene aus "Der nackte Wahnsinn"
Drei Einbrecher sind zwei zu viel: Szene aus "Der nackte Wahnsinn"

Knallchargen machen Chaos

 

Theatergruppe Siemens Erlangen präsentiert Komödie


Die Theatergruppe Siemens Erlangen präsentiert derzeit im Siemens-Vortragssaal im Himbeerpalast (Werner-von-Siemens-Str. 50) Michael Frayns Komödie „Der nackte Wahnsinn“.


Tür auf, Tür zu. Treppauf, treppab. Auftritt, Abgang. Dazwischen: Streitereien, Missverständnisse, Ärger, Neid, Eifersüchteleien – Chaos halt. Provinzbühnen- Schauspieler versuchen Komödie zu spielen, raus kommt eine Farce – und was für eine. Und was für eine gut gespielte.
Die Siemensianer-Mimen haben sich mit ihrer aktuellen Produktion die schwerste aller Komödiengattungen ausgesucht – die Farce eben, noch dazu eine, die im Theatermilieu spielt. Im gemütvollen Landhaus-Bühnenbild-Ambiente probt also eine ziemlich inhomogene Truppe ein brav-biederes Boulevardstückchen, wie es sie zu Tausenden gibt. Da stimmen Abfolgen nicht, Textsicherheit ist nicht immer gegeben, Alkohol spielt auch eine Rolle, und der Regisseur muss immer wieder eingreifen.

 

So weit, so gut, so gepflegt spaßig. Aber das war nur das Vorspiel für den Irrwitz, der dann noch folgen soll: In der (echten) Pause wurde das
Bühnenbild gedreht, so dass nun den Zuschauern im Siemens-Vortragssaal die rückwärtige Sperrholz-Ansicht präsentiert wird. Jetzt schlägt besagter Irrwitz zu: Während nach vorne (also eigentlich nach hinten) gespielt wird, ereignen sich hinten (also eigentlich vorne) die wildesten Dramen, die wiederum mit Alkohol, aber auch Herzensdingen zu tun haben.

 

Regisseurin Sabine Schmidt inszeniert dieses wüste Gehampel brillant als fast wortlose, dafür mimisch und gestisch umso ereignisreichere Abfolge beinahe slapstickhafter Stummfilm-Momente. Im letzten, wieder auf richtig „gedrehter“ Bühne stattfindenden Akt wird dem Affen vollends Zucker gegeben: Jetzt ist das Chaos perfekt, jetzt finden nur noch haarsträubende Fehlleistungen statt. Die Siemensianer spielen Knallchargen, die Knallchargen spielen, so perfekt in den nicht-perfekten Abläufen, dass es eine wirklich köstliche Schau ist.

 

 

Kritik in den Erlanger Nachrichten - 26.02.2013