Kritik der Erlanger Nachrichten, 15.03.2018

Vom Schlachtfeld auf den Scheiterhaufen

Beachtlich: Die Theatergruppe Siemens spielt "Die heilige Johanna" im Himbeerpalast -

ERLANGEN - Das Mädchen, der Glaube und der Tod: Im Vortragssaal des Himbeerpalasts, Werner-von-Siemens-Straße 50, präsentiert die Theatergruppe Siemens Erlangen derzeit das Drama "Die heilige Johanna" von George Bernard Shaw.
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Diese Johanna – wer ist oder war das eigentlich? Eine Kämpferin, eine Gläubige, eine Fanatikerin, eine Irre, eine Geradlinige, eine Heldin? Oder einfach nur "das Mädchen", wie sie von ihrer Umgebung genannt wird? Der Ire Shaw hat 1923 für sein dreistündiges Werk eine Figur gezimmert, die in ihrem Verhalten zwar vordergründig in alle möglichen Richtungen mäandert, aber doch nur einer alleinigen Richtung tatsächlich folgt – der zu Gott. So will es jedenfalls die Überlieferung respektive die Betrachtung durch die Nachgeborenen. Künstler waren nicht wenige darunter.

Also: Hundertjähriger Krieg zwischen England und Frankreich im 15. Jahrhundert. Ein 17-jähriges französisches Bauernmädchen stemmt sich in verfahrener militärischer Situation an die Heeresspitze, eilt von Sieg zu Sieg, missachtet aber in ihrem naiven, weil nur Gott ergebenem Furor die Tatsache, dass draußen in der Welt eine große psychopathologische Gemengelage existiert, die vor Neid, Missgunst, Taktiererei, Standesdünkel und Machterhaltungswillen nur so strotzt. Johanna, der Retterin, wird von Kirche und Staat der Prozess gemacht. Das Urteil: der Scheiterhaufen.


Auch wenn Shaw für sein Stück 1925 den Nobelpreis für Literatur erhielt – in heutigen Augen und Ohren ist das ein Werk vergangener Theatergeschichte. Shaw zeigt nichts, sondern lässt reden. Die einzelnen Figuren (Höflinge, Soldaten, Klerikale) sind Sprachrohre für einzelne Haltungen, die dialoglastig aufeinanderprallen. In seiner rein bildungsbürgerlichen Sprechtheater-Handhabung vernachlässigt der Autor die Möglichkeit und auch Notwendigkeit der visuellen Umsetzung auf der Bühne.

Gerade solche Vorlagen sind oftmals echtes Futter für Laien-Gruppen. So auch hier. Und dann doch wieder – ganz erstaunlich: Da kommen die Amateure der Siemens-Theatergruppe daher, lernen all diese enormen Text-Bausteine auswendig und stellen eine beachtliche Inszenierung auf die Bühne. Regisseurin Sabine Schmidt verzichtet auf jedes modische Blendwerk, konzentriert sich in diesem Stationen-Drama vielmehr auf intensive Schauspielerführung und ebensolchen Erzählduktus. Die Fokussierung aufs Thema ist immens, die Atmosphäre ruhig und stimmig.
 

Das relativ karge Bühnenbild mit seinem Burg-ähnlichen Hintergrund ist durch variable Deko-Bauteile schnell veränderbar, bleibt aber ebenfalls nur sachte in der Funktion, auch die Lichtsetzung ist angenehm dezent. Einmal singt vom Zuschauerbalkon ein Chor herab (in der Pause verbreitet ein Live-Harfenspiel Spätmittelalter-Stimmung), das war’s aber. Nichts soll ablenken vom Drama, das sich im Vordergrund abspielt.

Hut ab vor den Akteuren: Die einzelnen Positionen und Standpunkte werden überzeugend verkörpert, die festgezurrte Typologie verrutscht den Schauspielern zu keiner Zeit. Immer ganz bei sich sind sie und führen in asketischem Rahmen eine schreckliche Geschichte vor. Also gut: Sprechtheater haut doch noch manchmal hin.

Rollenportraits "Die heilige Johanna"

Verwalterin, Adjutant, Soldat

 

Über Jahre diente ich dem Hause Beaudricourt als Verwalterin, aber nach dem Tod meines Herren und unter den Umständen des Krieges wurde die Situation nunmehr unerträglich für mich.
Die junge Herrin spürte den zunehmenden Druck unter der englischen Besatzung und ließ ihre schlechte Laune und ihren Trübsinn zunehmend an mir aus. Sie drangsalierte mich wegen jeder Kleinigkeit und immer, wenn etwas schief ging, war es meine Schuld. Doch als ich diese junge Frau aus Domrémy, Johanna, sah, da fasste ich neuen Mut und mir wurde bewusst, dass der einzige Weg hinaus aus der Tyrannei meiner Herrin und der Belagerung durch die Engländer die Flucht nach vorn bzw. der offenen Kampf war. Diese junge Frau hat etwas, das sich nicht in Worten beschreiben lässt und nachdem meine Herrin sie samt ihrer besten Soldaten zum Dauphin geschickt hatte, konnte ich sie davon überzeugen, dass auch ich dem Hause Beaudricourt bessere Dienste auf dem Schlachtfeld als unter darbenden Menschen innerhalb der Schlossmauern leisten konnte.
Uns konnte nur noch ein Wunder retten, denn wenn es so weiter wie bisher gegangen wäre, dann wären wir entweder aus Mangel an Wasser, an Hunger, durch die Gottverdammiche oder noch am Ende aus Verzweiflung durch den Sprung von den Schlossmauern gestorben. Mein Weg zu den französischen Truppen war weniger schwierig als gedacht, denn da die Stärke der Heeres und insbesondere die Zahl der Männer stark dezimiert war, haben sie mich nur allzu willig aufgenommen, um niedere Botengänge, Schreib- und Küchenarbeiten zu verrichten. So kam es, dass ich mangels verfügbaren Personals und wegen meiner Fähigkeit zu schreiben der Adjutant von Dunois, dem Bastard, höchstpersönlich wurde. Ach, der schöne, starke Dunois! Gerne erinnere ich mich an seine stattliche Erscheinung, aber die Dichtkunst, in der er sich oft versuchte, beherrschte er nur schwerlich. Er war halt ein Mann der Taten und nicht der Worte. Damit war ich zunächst noch kein richtiger Soldat, doch konnten sie mir nach Johannas ersten Erfolgen und aus der Notwendigkeit heraus, mich selbst verteidigen zu können, nicht die Waffenausbildung verwehren. Ich lernte den Kampf mit der Lanze, das Stopfen von Kanonen und sogar den Umgang mit Schild und Schwert.
Das Reiten freilich wurde mir aufgrund meiner niedrigen Herkunft verwehrt. Durch Johannas Zuspruch war ich bei den großen Schlachten mit dabei und erwies mich als sehr geschickt im Nahkampf. Wir  feierten große Erfolge gegen die Gottverdammiche, erst Orleans, dann Jargeau und Patay.
Doch Neid und Angst erfüllte die Fürsten und Gottesmänner, so dass Johanna bei ihnen in Ungnade fiel. Am Ende machten sie durch allerhand erlogenes Hexenwerk aus unserer Heiligen eine Abgesandte des Teufels. Es ging soweit, dass sie der Armen in der Stunde ihres Todes die heiligen Sakramente verwehrten und nicht einmal ein Kreuz gewährten. Als letzten Dienst an ihr bastelte ich meiner Heerführerin ein einfaches Holzkreuz, nein kein richtiges Kreuz, nur zwei krumme Holzstecken zusammengehalten von einem Lederschnürchen. Wenn ich daran denke, erfüllt es mich mit Scham. Doch hätte ich nie gedacht, dass sie unsere Heilige, unsere Heldin tatsächlich auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Was für ein Jammer! Nach Johannas Tod wollte ich nicht mehr zurück ins Schloss und bat meine Herrin darum, endgültig den Haushalt verlassen und  als Soldat im französischen Heer dienen zu dürfen, welches mir gewährt wurde. Obwohl der laute Ausspruch dieses Gedankens mich das Leben kosten würde, kämpfe ich seitdem für Gott und sein Mädchen.

www.adlige-sucht-mann.de

 

Name:Roberta von Beaudricourt

Titel: Baronin
Alter: 20
Heimat: Burg Vaucouleurs
Sucht: königstreuen Adligen mit zumindest dem Rang eines Barons und administrativer Erfahrung


Profil:
Nach dem Tod meines Gatten auf dem Schlachtfeld suche ich einen passenden Nachfolger, der die administrative Verwaltung der Baronie wieder übernimmt, nachdem ich sie seit nunmehr eineinhalb Jahren erfolgreich geführt habe. Als einzige Enklave der königlichen Autorität in dieser Gegend Bündnis musste ich in den vergangenen anderthalb Jahren viele Herausforderungen überstehen und konnte mich dabei nicht den Pflichten einer ehrbaren Frau widmen. Unglücklicherweise haben die feinenUmgangsformen meiner hervorragenden Erziehung durch den Umgang mit Soldaten und grobschlächtigen
Bediensteten gelitten.

Allerdings ist dies entschuldbar, da die meisten Bediensteten nur auf heftige Worte und Drohungen zu reagieren scheinen, vielleicht mit Ausnahme meiner Verwalterin. Zwischen uns gibt es so eine Art gegenseitigen Respekt, aber da hauptsächlich sie mit mir verkehrt bekommt sie auch den größten Teil meines Ärgers und meiner Frustration ab. Grade als Frau hat man es schwer, sich den Respekt der Bediensteten zu erhalten, sodass ich meine Dienerschaft mit strenger Hand führen muss und auch hin und wieder zu Drohungen greifen muss.

Auch verwende ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, immer öfter Kraftausdrücke und Flüche. Dass bedeutet jedoch nicht, dass ich meine Untergebene hasse oder ihre harte Arbeit nicht zu schätzen weiß. Im Gegenteil. Meine strenge Führung ist einzig meinem Bestreben geschuldet, dass ich alle meine Kraft darauf verwende, uns alle zu beschützen und sicher über den nächsten Winter zu bringen. Und dazu sind harte Worte nun mal hin und wieder notwendig.


Meine Bildung hat, im Gegensatz zu meinen Umgangsformen, nicht gelitten. Was Lesen, Schreiben und Rechnen angeht, stehe ich auf der selben Stufe wie jeder Mann. Mittlerweile habe ich im Zuge der Buchführung mehr Zahlen gesehen, als mir lieb ist. Zwar geht sie mir inzwischen leicht von der Hand, jedoch würde ich mich lieber mit angenehmeren Dingen, wie der Lektüre eines guten Buches, beschäftigen.

Dumm bin ich nämlich nicht. Ich würde mich auch am königlichen Hof zurechtfinden. Logik und strategisches Denken liegen mir einfach. Mit meinem verblichenen Ehemann, Gott sei seiner armen Seele gnädig, habe ich oft Schach gespielt und von ihm wurde ich auch in die Kunst des Krieges eingeführt. So unterhalte ich mich auch des öfteren mit einem Freund meines Mannes, Bertrand de Poulengey, über die derzeitige politische Lage des Landes.

Gott stehe ich übrigens recht skeptisch gegenüber. In unseren schweren Zeiten fällt der Glaube an einen gerechten Gott schwer. Dennoch bin ich eine treue Dienerin der katholischen Kirche und halte die von der Kirche vorgeschriebenen Gebetszeiten streng ein.


Ich suche einen Mann, der mit mir auf gleicher Augenhöhe steht und mich respektiert, wie ich bin, denn ich lasse mich nicht mehr in die traditionelle Rolle einer Frau drängen. Jedoch ist es nicht schicklich, dass ich so lange Zeit alleinstehend bleibe.Auch bin ich der ewigen Schwierigkeiten bei der Führung
der Baronie überdrüssig und suche jemanden, der mir zumindest einen Teil dieser Last abnimmt.


Meine Mitgift ist nicht zu verachten, umfasst sie doch die ganze Baronie mit all ihren Reichtümern. Gleichzeitig ist mit ihr auch eine große Verantwortung gebunden, grade in Anbetracht der angespannten Lage, in der sich die Baronie dank der Engländer befindet. Bedingung für meine Einwilligung in eine
Heirat ist ebenfalls bedingungslose Treue gegenüber der französischen Königsfamilie. Denn auch wenn ich persönlich vom Dauphin nicht besonders viel halte, so stehe ich doch treu zur französischen Krone und werde alles in meiner Macht Stehende tun, damit Frankreich den Sieg über die Engländer davonträgt.

Roberta de Beaudricout

 

Erzbischof
Der Erzbischof ist durch und durch ein Mann der Kirche. Er vereinigt in sich letztlich die Weisheit von 1500 Jahre Kirchengeschichte; oder besser gesagt, die Lehren aus deren Höhen und Tiefen. Das bedeutet, dass er weiß wie man nützliche Gelegenheiten erkennt und nutzt, - in diesem Falle Johanna. Man bezeichnet ihn als alten Fuchs, weil er abwarten kann und zum richtigen Zeitpunkt die Gunst der Stunde nutzt. Er ist ein Kommunikator und in der Lage scheinbar gegensätzliche Interessen zusammenzuführen. Man könnte auch sagen, dass er seine Mitmenschen eiskalt manipuliert.
Er beherrscht die Theologie, die Diplomatie und die Rhetorik. Wenn die göttliche Vorsehung – an die er durchaus glaubt – die Karten verteilt, so weiß er als guter Spieler auch, wann man auszusteigen hat.


Als Erzbischof weiß er sich schon damals bei einem Global Player zu Hause (Zentrale: Rom), damit verfügt er mit Sicherheit über mehr Überblick und Urteilsvermögen über die Situation in Frankreich als alle anderen Beteiligten. Vor allem weiß er, wie die Volksseele tickt und er versteht, dieses Wissen zur „Förderung des Glaubens“ zu nutzen.


Eingebettet sind die Fähigkeiten des Erzbischofs in das Weltbild einer zentralistischen und patriarchalischen Gesellschaftsstruktur – in seinem Falle das „Reich der Kirche“, das in seinen Augen den weltlichen Feudalsystemen übergeordnet ist. Beide, im Grundsatz sehr stabile Konstrukte, sind sehr leicht in Gefahr zu bringen, wenn plötzlich Menschen diese alten bewährten Strukturen in Frage stellen. Wobei dies noch nicht einmal durch direkten Angriff auf die Autoritäten und deren Wahrheiten geschehen muss. Wie im Fall Johannas, reicht es vollkommen aus, dass sie mit einem scheinbar aussichtslosen – ja verrückten – Unterfangen trotzdem Erfolg hat. Ein Erfolg, der sicher auch einem Überraschungseffekt geschuldet ist, und allein von daher nicht von Dauer sein kann. Zudem beruft sie sich auf göttliche Befehle, behauptet, dass Heilige zu ihr, einem einfachen Mädchen, sprächen und stellt den Rat „ihrer“ Heiligen über alle anderen Autoritäten. Dies in einer Zeit, in der die Interpretation des göttlichen Willens ausschließlich der Kirche zustand; welche dadurch natürlich ihre Macht sicherte. Anfangs schmunzelt der Erzbischof wohl noch innerlich über Johannas Chuzpe. Später hat er ihre Gefährlichkeit erkannt; und er steht vor der Frage, ob ihre Bedeutung für Frankreich oder das Wohl der einigen und einzigen Kirche höher zu bewerten ist. Die Antwort ist eigentlich klar, die Kirche steht über allem – doch ganz am Schluss der Szene kommen ihm Zweifel. Dies ist ganz wesentlich für seinen Charakter – bei ihm gibt es nicht nur Schwarz und Weiß, er sieht auch die Zwischentöne.


Aber auch, wenn man nicht in machtpolitischen Strukturen denkt, sondern nur in theologischen „Wahrheiten“, so ist Johannas Erfolg sehr sorgfältig zu untersuchen, denn der Antichrist zeigt sich auch gern als der scheinbare „Retter der Menschheit“ um Verwirrung unter den Gläubigen zu stiften. Also auch, wenn der Erzbischof kein Machtmensch wäre, so müsste er doch – in Nächstenliebe – zum einen Johanna (oder deren Seele) vor sich selbst schützen, sowie das Volk vor Johanna – oder Johanna vor dem Volk, dessen abgöttische Liebe, ihr zum einen den Kopf verdreht, sie arrogant und aufmüpfig macht, das sie aber fallen lassen wird, wie eine heiße Kartoffel, sobald ihre Glückssträhne reißen und keine göttliche Intervention zu ihrer Rettung erfolgen wird. Denn dass diese ausbleiben wird, davon ist der Erzbischof überzeugt, das deckt sich mit seiner abgeklärten Ansicht über „Wunder“.

Madame la Trémouille

Madame La Trémouille ist Mitte dreißig und lebt seit über 15 Jahren am Hof in Chinon. Als sie noch ein Kind war, hat sie von ihrer Schulmeisterin am fürstlichen Hof von La Trémouille sehr früh gelernt, nicht zu lieben oder zu vertrauen, sondern immer darauf bedacht zu sein, ein Wort mitzureden und jede Situation zu ihrem Vorteil zu nutzen. Echte Liebe hat sie noch nicht erlebt. Stattdessen nutzt sie geschickt die spielerischen Flirts und die „Courtoisie“ bei Hof. In der Blüte ihrer Jahre war es für sie ein Leichtes, die Ritter in der Umgebung des Königs zu verführen. Auch wenn Madame La Trémouille heute mehr Selbstgefälligkeit als Charme besitzt, hat sie die Fähigkeit, ihren Worten Leben und Ausdruckskraft zu verleihen und sie hat ihre natürliche Ausstrahlung keinesfalls verloren. Zweifellos ist sie geistig und körperlich fitter als viele ihrer Altersgenossinnen und kann sich sogar sehr schnell auf neue Situation einstellen.

Bei flüchtiger Betrachtung hat Madame La Trémouille Spaß daran, ihr Talent als Intrigantin zu nutzen und sich am höfischen Tratsch und Klatsch zu beteiligen,  auch wenn es dadurch in der Folge gelegentlich zu blutigen Auseinandersetzungen kommt. Für sie ist diese Tätigkeit aber viel mehr als Zeitvertreib oder bloße Unterhaltung sondern Politik, ein Kampf um Macht und Einfluss. Wichtig ist für Madame La Trémouille, die Dinge von allen Seiten zu betrachten. Sie ist sich ihrer Herkunft aus einer der reichen und mächtigen Fürstenfamilien sehr bewusst. Auch wenn einige jüngere Damen ab und zu aufhorchen lassen, ist Madame La Trémouille derzeit die mächtigste Frau am Hof, zumindest sieht sie es so. Dass sie so oft im Mittelpunkt des Gesprächs steht, liegt vor allem an ihrem Reichtum und ihrem Selbstbewusstsein. Sicherlich ist sie keine Sympathieträgerin.

Ihre Situation bei Hof hat sich in letzter Zeit etwas geändert. Sie lieh Karl, dem Dauphin, viel Geld. Die Landstücke, die sie als Sicherheit bekam, stellten sie nicht im Geringsten zufrieden. Da der Dauphin seiner Frau in wahrer Liebe zugetan und für Mme La Tremouilles Reize völlig unempfänglich ist, hat sie einen anderen Weg gefunden, Macht auf ihn auszuüben. Durch ein sehr hohes Darlehen wollte sie ihn finanziell abhängig machen, in der Hoffnung, dass er sie hinter den Kulissen zur Mitregentin erheben würde.

Leider hat Madame La Tremouilles Strategie noch nicht zum Erfolg geführt. Sie bekommt vom Dauphin nur unverschämte Undankbarkeit für ihre Großzügigkeit. Die Liebe zu seiner Frau hat immer noch nicht nachgelassen. Seine Gefühle haben sich nicht, wie erwartet, zu nützlicheren Lebenswerten wie Ehrgeiz oder Besitzstreben gewendet. Dass es Madame La Tremouille bis heute mit dem Dauphin ausgehalten hat und noch immer aushält, ist Teil eines politischen Spiels, auch wenn dies schwer vorstellbar scheint.

Herr von Dunois.

Adlig, und dann doch wieder nicht. Beliebt bei Hof, geschätzt und geachtet, und dann doch wieder nicht. Schöner Bastard eben.


Mein ganzes Leben lang, habe ich mich abgerackert und abgemüht, um den Respekt zu erlangen, den ich verdiene. Doch irgendwann habe ich realisiert: egal was ich tue, Dauphin oder gar König werde ich nie, obwohl ich ein Vetter des jetzigen Dauphins bin. Immerhin bin ich nur ein „Halbblut“.


Letztendlich habe ich mich mit meinem Schicksal abgefunden. Trotzdem ist das kein Grund, zu verbittern, oder aufzuhören um Anerkennung zu streiten. Ja, wirklich nicht… Zu Wohlstand und Ehre kann ich es immer noch bringen.
Also tue ich das, für das ich immer ein gutes Talent hatte. Krieg führen und kämpfen. Letztendlich ist das vielleicht gar kein so schlechtes Schicksal.

 

Früher, da sah ich Soldaten wie die anderen Adligen als ersetzbare Ressource, als Mittel zur Macht. Aber auch wenn der Krieg oft grausam ist, und mir viele Alpträume beschert hat, habe ich bei meinen Truppen Kameradschaft und Freundschaft gefunden.


Zwar wird mir manchmal Arroganz und Eitelkeit vorgeworfen, oder gar schlechte Laune, wenn etwas nicht nach meinen Wünschen oder meinen Vorstellungen klappt. Aber was kann ich denn dafür, wenn ich kein kompetentes Personal bekomme oder Gott nicht auf meiner Seite ist. An mir liegt es sicher nicht, im Gegenteil. Trotz der Widrigsten Umstände konnte ich die Gottverdammiche zumindest bremsen, oder im Gefecht schlagen.


Und jetzt das Mädchen. Sie hat eine echte Begeisterung in mir entfacht. Und ich habe Sie wirklich, sehr, sehr gern. Wenn ich nicht schon verheiratet wäre… aber lassen wir das. Sie nimmt sowieso keinen Mann, und damit kann ich dann doch leben. Wenn ich Sie nicht schon bekomme, bekommt sie auch kein anderer. Sorgen macht mir aber Ihr Geisteszustand. Ich glaube, dass sie selbst an Ihre Geschichten glaubt, und sie zieht Ihre Stärke daraus. Sie begeistert mich und alle anderen in Ihren Ausbrüchen. Bis mich einige Minuten später doch wieder meine eigenen Gedanken treffen. Die Realität sieht eben anders aus, und mit ihrem fanatischen Geist wird sie alles riskieren und uns am Ende doch ins Unglück stürzen. Dann muss ich mich entscheiden, zwischen der Freundschaft zu ihr, und der Realpolitik.

Peter Cauchon (Bischof von Beauvais)

Peter Cauchon betrachtete sein Bild im Spiegel des kleinen Zimmers in Rouen, das ihm für die Dauer des Inquisitionsprozesses zur Verfügung gestellt worden war. Er war nicht unzufrieden mit dem, was er sah. Das Bischofsgewand unterstrich die Würde seines Amtes. Er machte einen ernsten und selbstsicheren Eindruck. Genau diesen Eindruck wollte er vermitteln, im vielleicht wichtigsten Prozess seiner kirchlichen Karriere. Dabei stand er unter gewaltigem Druck von außen. Die Engländer forderten unverblümt Johannas Tod. Und auch auf der Seite der Kirche wurde ihr Fall sehr kontrovers diskutiert. Er hatte manchmal das Gefühl als würde die Zeit stillstehen. Als gäbe es nichts außerhalb dieser Mauern, in denen sich das Schicksal des Mädchens entscheiden würde. Und als würden ganz Frankreich und England, ja vielleicht ganz Europa auf ihn schauen. Sein Urteil würde richtungsweisend für die Zukunft der Kirche sein.


Er wusste genau, warum ihm der Vorsitz des Gerichts übertragen worden war. Zum einen war er der Bischof der Diözese in der man Johanna gefangen genommen hatte. Zum anderen verfügte er über alle Eigenschaften, die in einem großen und aufwändigen Prozess wie diesem nötig waren. Schon als junger Priester hatte er sich schnell mit seinen feurigen Predigten einen Namen gemacht. Mit seiner Eloquenz und seinem Charisma konnte er schon immer seine Zuhörer fesseln. Er war nicht nur ein anerkannter Theologe sondern auch ein treuer Verfechter des kirchlichen Dogmas. Er war felsenfest davon überzeugt, dass es einen Mann wie ihn brauchte, um die Lehre der Kirche vor der ständig wachsenden Gefahr der Ketzerei zu verteidigen. Im Laufe der vielen Jahre, die er in Amt und Würden war, hatte er immer wieder erlebt, wie ein Funke von Ketzerei eine ganze Stadt, ja ein ganzes Land entzünden, und die natürliche Ordnung außer Kraft setzen konnte. Cauchon war ein Mann mit Überzeugungen und mit der Hartnäckigkeit, für diese zu kämpfen. Ein Mann der sich nicht kaufen oder überreden ließ. Er glaubte fest an die Richtigkeit seines Unterfangens. Und das machte ihn in seinen Augen zum bestmöglichen Richter in diesem Prozess.


In einem flüchtigen Moment kam ihm der Gedanke an eine Geschichte aus der Bibel, über die er im Laufe der Jahre schon oft gepredigt hatte. David gegen den Riesen Goliath. Genauso fühlte er sich gerade. Wie David, der sich mit nichts als Gottvertrauen und einer Schleuder mit 3 Steinen einem fast unbesiegbaren Krieger in den Weg stellte. Dabei sah er nicht Johanna als seinen Gegner. Es waren die Irrlehren, die sie vertrat und die ganz Frankreich in Aufruhr versetzt hatten. Dazu die Drohungen des englischen Adels unter Graf Warwick, dem es nur um die eigenen Interessen ging. Und der Teufel, mit dem er um die Seele Johannas würde ringen müssen. Das waren seine Riesen. „Drei Riesen, drei Steine, da muss jeder Schuss ein Treffer sein“ dachte er mit einem grimmigen Lächeln auf den Lippen.


Trotz aller Widerstände, mit denen er zu kämpfen hatte, wusste er, dass er ganz unvoreingenommen an diesen Prozess herangehen musste. Niemals würde er leichtfertig einen Menschen dem Tod übergeben. Vor dem weltlichen Arm hatte Cauchon keine Angst. Er war der festen Überzeugung, dass sein Glaube an Gott und die Kirche, sowie die Gerechtigkeit seines Handelns ihm einen Platz im Himmel bereithalten würden. Dennoch lastete der Druck schwer auf ihm. Er kam nach zahllosen Besprechungen mit dem Inquisitor und den geistlichen Gelehrten meistens sehr spät ins Bett. Dann lag er oft lange wach und grübelte über den Prozess. Hunger verspürte er kaum noch. Bei einem erneuten Blick in den Spiegel sah er die Müdigkeit in seinen Augen und die tiefen Augenringe. Aber er sah auch Entschlossenheit.


Seine Gedanken schweiften zu dem Mädchen ab. Sie war eine ganz außergewöhnliche Person. Das musste Cauchon zugeben. Einen Menschen wie sie hatte er noch nie erlebt. Sie hatte etwas sehr Unschuldiges in ihrem Wesen und gleichzeitig etwas sehr Einnehmendes und Überzeugendes. Diese Kombination aus Ketzerei und Charisma war eine sehr gefährliche, ja geradezu explosive Mischung, denn damit begeisterte und elektrisierte sie die Massen. Sicher, sie war eine Ketzerin. Eine Frau die behauptete die Heiligen hätten zu ihr gesprochen. Die auf direkten Befehl Gottes gehandelt haben wollte. Die sich anmaßte, direkt mit Gott zu sprechen, ohne Vermittlung der Kirche, und seine Worte zu interpretieren. Wenn ein solches Verhalten Schule machte, wäre es bald um die Deutungshoheit der Kirche geschehen. Wer würde sich dann noch von der Kirche leiten lassen? Sodom und Gomorrha würden ausbrechen. Doch trotz dieser ganz offensichtlichen Sünde hegte Cauchon eine gewisse Sympathie für sie. Sie war ein sehr faszinierender Mensch. Dennoch war sie für die Kirche sowie alle weltlichen Institutionen eine Gefahr. Er durfte ihr gegenüber keine Milde zeigen. Er hoffte aber, sie zur Umkehr bewegen zu können und zu einem Leben in Buße und Reue. Ihm war durchaus bewusst, dass ihr Tod sie in den Augen des Volkes zu einer Märtyrerin machen könnte. Und als solche würde sie auch nach ihrem Tod noch eine Gefahr bleiben.


Graf Warwick hatte ihm die Nachricht zukommen lassen, er wolle vor dem Beginn der Verhandlung nochmal mit ihm sprechen. Cauchon wusste schon, was das Thema sein würde. Die englischen Grafen würden das Mädchen lieber heute als morgen verbrennen. Nach einem letzten prüfenden Blick in den Spiegel machte er sich auf den Weg in den Verhandlungssaal, in dem sich vielleicht heute noch das Schicksal Johannas entscheiden würde.

Kritik der Erlanger Nachrichten v. 21.03.17

Rollenportrait: Oberon

He Ihr… bleibt stehen. Was habt Ihr in meinem Wald verloren? Wisst Ihr denn nicht, dass dieser Wald ein Ort von Magie und Zauber ist? Ein verwunschener Ort an dem niemand genau weiß, ob er schläft oder ob er wacht. Wie, das wusstet Ihr nicht? Nun ja ich werde Euch das in meiner Großmut nachsehen.
Schließlich seid ihr ein Sterblicher. Kaum geboren schon ein Greis. Der Vergänglichkeit unterworfen.
Ihr wollt wissen wer ich bin? Mein Name ist Oberon. Ihr findet, dass ich anders aussehe als jeder andere Mensch den Ihr je erblickt habt? Nun ja da muss ich Euch Recht geben. Das liegt wohl daran das ich gar kein Mensch bin. Was ich dann bin? Nun Ihr in Eurer menschlichen Einfältigkeit würdet mich vermutlich
respektvoll einen Gott oder respektlos einen Waldgeist nennen. In beiden Fällen würde Ihr daneben liegen. Ich bin vielmehr der König der Naturgeister. Ich herrsche über die Gesetze der Natur. Das Wetter, die Gezeiten, die Pflanzen, die Tiere auf dem Land, im Meer und in der Luft. Ich sorge mit meiner Frau Titania dafür, dass sich alles auf dieser Erde im Lot befindet. Auch auf Euch Menschen habe ich ein Auge. Die törichten Menschen Athens verehren Demeter als Göttin der Fruchtbarkeit. Dabei sind wir Naturgeister es die hier in Eurem Leben Einfluss nehmen. Wie Ihr seht, haben wir eine wichtige Funktion
für das Gleichgewicht Eures Planeten. Und meine Aufgabe ist es, all das was auf der Erde geschieht im Auge zu behalten. Eine Aufgabe die gleichzeitig oft eine schwere Bürde ist. Deshalb braucht es jemanden mit der Macht und der Stärke die ich besitze, um nicht das Chaos ausbrechen zu lassen. Ich
habe mir diese Aufgabe nicht ausgesucht. Aber ich bin der einzige der sie ausführen kann. 
Ihr wollt wissen wie alt ich bin? Nun das kann ich Euch gar nicht genau beantworten. Denn bei unsereins läuft die Zeit anders als bei Euch Menschen. Ich habe viele Äonen kommen und gehen sehen. Ich habe riesige Ungeheuer über die Erde wandeln sehen bevor sie in Feuer und Eis wieder ausgelöscht wurden. Das muss Euch Sterblichem unvorstellbar erscheinen. Und doch ist es wahr. Es gab mich schon lange bevor der erste Mensch geboren wurde.
Ich bin auch nicht an dieselben Naturgesetze gebunden denen Ihr unterworfen seid. Ich werde ewig leben ohne jemals einen Tag zu altern. Ich kann für Eure Augen sichtbar oder unsichtbar sein. Innerhalb von Minuten tausende Meilen überwinden. Über die Meere schweben oder durch Berge gleiten. Meinem
Blick entgeht nichts. Ich brauche diese Fähigkeiten, um über die Natur herrschen zu können.
Natürlich mache ich das nicht alleine. Ich habe unzählig viele Geisterwesen, die mir untertan sind. Und ich habe Puck meinen persönlichen Adjutanten und Diener. Ihm vertraue ich mehr als sonst jemandem, auch wenn er viel Schabernack treibt. Ja, ich kann diesem Geist einfach nicht lange böse sein. Denn, wenn mich seine Verantwortungslosigkeit auch oft erbost, bringt mich der Schelm, der ihm im Nacken sitzt doch immer wieder zum Lachen. Er hat es faustdick hinter den Ohren und schafft es immer wieder,
mich mitzureißen. Ein Herrscher wie ich es bin, hat es schwer, echte Freunde zu finden. Jeder redet einem nach dem Mund, weil er sich davon Vorteile erhofft. Nicht so Puck. Er ist für mich fast wie ein Freund. Das darf er natürlich nie wissen, denn das würde er schamlos ausnutzen.
Nun bevor ich noch sentimental werde zu meiner Frau. Titania. Wie sehr ich sie liebe und gleichzeitig hasse. Ihr Menschen würdet unsere Beziehung wohl ambivalent nennen. Ja es ist oft schwierig zwischen uns, muss ich zugeben. In 800 Jahren Ehe hat sich zwischen uns ein Machtspiel entwickelt. Ein Spiel
ohne Regeln. Jeder von uns beiden möchte den anderen bezwingen. Was die Ursache dafür ist, kann keiner von uns beiden mehr genau sagen. Wir sind wie Schwarz und Weiß, wie Falke und Taube, wie Löwe und Gazelle. Wir können nicht miteinander, aber schon gar nicht ohne einander auskommen. Auf
Zeiten des Sturms folgen Zeiten des Sonnenscheins. Genauer gesagt Mondscheins, denn wir sind Wesen die zumeist des Nachts und in den Schatten verborgen leben. Doch diese Phasen der Ruhe währen nie lange… vielleicht ist dieser Machtkampf das einzige das unserem Dasein noch Farbe gibt. 
Wir streiten häufig. Denn Titania kann es nicht lassen den Menschenmännern nachzusteigen wie eine billige Dirne. Sie sagt, sie tue das aus Rache für meine ausschweifenden Eskapaden. Aber wie kann man das vergleichen? Sie ist die Königin und hat mir die Ehre und den Respekt zu erweisen der mir zusteht.
Ich hingegen, der ich der König bin, habe das Recht der Menschenfrau, Elfe oder Meerjungfrau meine Zuneigung zu schenken, die meinem Auge gefällt.

Ich liebe Schönheit und Sinnlichkeit und die leichten Freuden des Lebens. Und das ist gut so. Aber meine Königin übertreibt es mit diesem Spiel und nimmt
sich maßlos jeden Bauernbengel ins Blumenbett, nur um mich zu kränken. Aber auch das gehört wohl zu unserem Spiel. Jeder versucht den anderen zu treffen. Und da wir uns so gut kennen weiß jeder auch genau, wie er das am besten schafft.
Unser aktueller Streit geht um ein Kind aus Indien. Ein schöner Knabe den jeder von uns beiden als Diener haben möchte. Er wurde Titania anvertraut, aber ich gönne ihr den Knaben nicht. Ich möchte den Jungen selber haben und sei es nur damit Titania ihn nicht bekommt. Wie sie ihn mir unter die Nase
gerieben hat. Ihn mir gezeigt hat, nur um mir danach frech ins Gesicht zu sagen, dass ich ihn nie bekommen werde. Aber da hat sie die Rechnung ohne Oberon gemacht. Ich will… nein ich werde diesen Knaben bekommen. Wir werden schon sehen wer am Schluss die Oberhand behält. Mir ist jedes Mittel
recht um Titania wieder in ihre Schranken zu weisen. Zu zeigen, dass ich bekomme was immer ich will.
Ich habe schon eine Idee wie ich das bewerkstelligen werde. Ich werde Puck dazu brauchen, den Jungen zu bekommen und Titania zu zeigen wer von uns beiden der Mächtigere ist.
Jetzt muss mich von Euch verabschieden. Ich werde gleich Puck auf der Lichtung treffen. Und ich spüre, dass Titania in der Nähe ist. Seit dem Frühling habe ich sie nicht mehr gesehen. Aber jetzt wird es Zeit
meinen Plan in die Tat umzusetzen. Wenn Ihr wollt könnt Ihr mitkommen und zusehen….

Rollenportrait: Puck

 

Hey Leute, 

 

Ich bin Puck. Ja genau, wie dieses komische kleine Ding, das die Menschen mit so Schlägern durch die Gegend hauen. Ich glaube sie nennen dieses Rumhauen Hockey. Aber ihr müsst wissen, ich bin schon viel, viel älter als Hockey. Mich gab es schon lange bevor die Menschen auch nur daran gedacht haben ein solches Spiel zu erfinden. Und ich hieß auch schon lange Zeit Puck, bevor mein Name geklaut und für einen dämliche Scheibe in einem noch dämlicheren Spiel verwendet wurde...

 

Na gut, wenn man es ganz genau und korrekt nimmt heiße ich nicht Puck sondern Robin. Robin Goodfellow. Auf Deutsch auch Robin Gutfreund. Aber ich hatte es noch nie so mit dem genau und korrekt sein. Ist doch langweilig, oder? Wäre doch voll öde wenn alle immer total korrekt wären.

 

Ich heiße also eigentlich Robin aber ich bevorzuge Puck. Am liebsten „Puck der Gute“. Wer mich so nennt, der hat gute Chancen auf ein wenig Glück im Leben. 

 

Also, für die, die mich nicht so gut kennen: Ich bin ein Elf. Jep, ihr habt richtig gehört. Ich bin ein uraltes Feenwesen. Das ist übrigens auch an meinen spitzen Ohren zu erkennen. Ich lebe im Nimmernie, dem Feenreich. Es gibt viele Namen für dieses Land. Alle sind richtig. Im Nimmernie sind alle Feen, Elfen und anderen Fabelwesen, wie ihr Menschen sie nennen würdet, zuhause. Ich darf euch leider nicht zu viel erzählen. Genaue Informationen über das Nimmernie und dessen Bewohner dürfen nicht an die falschen Ohren gelangen. Andererseits...euch ein wenig aufzuklären kann ja nicht schaden oder? Also, es gibt verschiedene Bereiche des Feenreichs. Sommer und Winter zum Beispiel. Ich gehöre dem Sommerhof an. Dem Nimmernie sei Dank. Wer will denn schon im Winterreich wohnen? Es ist echt schrecklich dort. Voll hässlich und...kalt. Bä! Ne, echt nicht. Kein Bedarf. Außerdem sind da alle immer so unfreundlich und verklemmt. Die verstehen einfach keinen Spaß! 

 

Apropos verklemmt! Ha! Das gibt’s am Sommerhof durchaus auch. Sagt euch der Name Oberon was? Sicher, oder? Vielleicht kennt ihr ihn auch eher unter den Namen König Spitzohr oder Erlkönig.

 

Er und seine Frau Titania, mit der er sich andauernd streitet, herrschen über das Sommerreich. Ich kenne Oberon schon seit Ewigkeiten. So lange, dass ich mir eine Welt und Zeit ohne ihn gar nicht vorstellen könnte. Ich bin sein Diener. Nun ja. Das ist vielleicht etwas zu viel des Guten. Ich bin wohl eher eine Art Hofnarr für ihn. Obwohl ich persönlich das Wort Narr nicht im geringsten mit mir und meinen unzähligen positiven Eigenschaften in Verbindung bringen würde...

 

Wenn Oberon irgendeinen wichtigen Auftrag hat, dann bin ich immer die erste Person an die er sich wendet. Er verlässt sich absolut auf mich und darauf bin ich sehr stolz obwohl ich es nur ungern zugebe. Meistens gebe ich mir auch Mühe seine Aufträge gut zu erfüllen. Das Problem ist nur...ich bin manchmal etwas abgelenkt. Und ja....so kommt es dass ich wohl ab und an – sehhhhr selten meiner Meinung nach – ein wenig Mist baue. Hihi.

 

Oberon flippt dann immer voll aus. Der Gute braucht echt mal ein wenig Urlaub! Würde ihm gut tun!

 

Ich muss zugeben, das Verhältnis zwischen mir und König Spitzohr ist schwer in Worte zu fassen. Selbst für jemanden wie mich, der eigentlich nie um eine Erklärung verlegen ist.

 

Ich würde Oberon nicht als eine Art Vater bezeichnen. Das wäre zu viel. Eher ist er eine seltsame Mischung aus meinem Chef und einem Freund. Oberon ist eine der wenigen Personen, die mich wirklich gut kennen. Und so wie ich ihm am Herzen zu liegen scheine, ist er mir auch wichtig. Ein bisschen.

 

Obwohl ich großen Respekt vor ihm habe – ihr solltet den Kerl mal wütend erleben, da hättet ihr mehr als Respekt! - und mich ihm als sein Untertan und Vertrauter verpflichtet und verbunden fühle, habe ich keinerlei Angst vor ihm. Fast alle anderen Bewohner des Nimmernie schon. Und das wohl auch mit Grund. Haltet mich ruhig für naiv aber ich glaube nicht dass Oberon mir ernsthaft Schaden zufügen würde. Ja, er verwandelt mich manchmal wenn er echt sauer ist in einen Raben damit ich „in Ruhe über meine zahlreichen Vergehen nachdenken kann“ aber er tut mir niemals wirklich weh.

 

Damit bin ich wohl sein einziger Untertan, der nicht immer blind Oberons Anweisungen folgt. Ich bin ein frei denkendes Wesen und der Erlkönig weiß das. So gab und gibt es bis heute durchaus Fälle, in denen ich mich Oberons Befehl widersetzte, weil ich manche Dinge grundlegend anders sehe. Da war zum Beispiel die Sache mit Meghan Chase. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Obwohl er griesgrämig, oft schlecht drauf und ein fürchterlicher Spaßverderber ist, bin ich doch froh, Oberon als meinen König und freund zu haben.

 

Und wehe ihr sagt ihm dass ich jemals diese Worte über die Lippen gebracht habe! Er darf niemals erfahren, dass ich so über ihn denke! Das würde mein Stolz nicht überleben! 

 

Wie schon erwähnt hat Oberon auch eine Frau. Titania. Nichts für ungut aber meiner Meinung nach ist sie die Oberzicke schlecht hin. Dass Oberon es so lange mit ihr ausgehalten hat und noch immer aushält ist ein wahrhaftiges Wunder. Wäre ich mit ihr verheiratet... oh weia. Gegenüber ihren direkten Höflingen scheint sie ganz nett zu sein. Zu mir nicht. Wahrscheinlich liegt das daran, dass unsere Abneigung auf Gegenseitigkeit beruht. Vielleicht ist sie aber auch nur eifersüchtig auf meine vielen unglaublichen Talente...wer weiß!

  

Obwohl ihr echt nette Leute zu sein scheint und ich noch Stunden mit euch weiter reden könnte, muss ich mich jetzt leider verabschieden. Ich hab noch einiges zu tun...aber vielleicht sehen wir uns ja ein anderes Mal wieder. Dann kann ich euch noch von meinem besten Freund und Feind zugleich erzählen. Eisbubi – der Prinz des Winterreichs. Eingebildeter Typ! Aber wie gesagt, ich muss los!

 

War cool mit euch zu plaudern! Bis dann!

 

 

 

Rollenportrait: Titania

 

Titania ist die Königin der Elfen. Sie wurde nicht geboren. Sie wurde mit der Welt erschaffen, um sich um die Natur zu kümmern. Seit ca. 800 Jahren ist sie mit Oberon verheiratet. Woher er kam, das weiß auch keiner mehr so genau. Eines Tages ist sie ihm beim Sammeln des Morgentaus im Walde begegnet und es kam eines zum anderen. Bei der Zeitspanne hört man irgendwann auf Hochzeitstage zu zählen oder zu feiern. Natürlich streitet sie sich mit Oberon nach so vielen Jahrhunderten auch mal. Wenn es unter Naturgöttern kracht, dann herrscht großes Chaos. Ganze Jahreszeiten verschieben sich.

 

Im Gegensatz zu ihrem Göttergatten besitzt sie einen eigenen Orden und viele Bedienstete, also mindestens 3, die "freudig" ihre Befehle ausführen. Ansonsten macht sie sie halt einen Kopf kürzer oder verwandelt sie in irgendwas. Meistens ist sie aber ziemlich gütig.

 

Natürlich mag sie es als Königin gar nicht, wenn man ihr widerspricht oder sich über sie lustig macht. Vor allem hat kein Mann ihr etwas zu sagen. Dies gilt für Oberon und schon gar für einen Menschenmann. Den Menschenmännern ist sie ansonsten zwecks Liebesabenteuern nicht abgeneigt, aber sie sind für sie mehr ein Spielzeug als ernsthafte Partner. Ihre einzige wahre Liebe ist und bleibt Oberon, auch wenn er sie nervt, furchtbar nervt, weil er gerne Dinge von ihr haben möchte, die ihr gehören. Außerdem kümmert er sich meist um wenig, so dass die Arbeit an ihr hängen bleibt. Überhaupt nimmt sie ihre naturverwalterischen Pflichten sehr ernst.

 

 

 

Titania ist sehr stolz und attraktiv. Anmutig schreitet sie durch den Wald. Ach was, sie schreitet nicht, sie schwebt! Sie mag gerne leckere und schöne Dinge, z.B. Honigwein oder Früchte, sowie Juwelen und Schmetterlingsflügel. Als Elfenkönigin kleidet man sich reich geschmückt und doch nicht überladen. Vielleicht ist sie manchmal etwas zickig und launisch, wenn sie einen schlechten Tag hat. Dann kommandiert sie ihre Elfen schon mal heftig herum und verlangt von ihnen, dass sie sie aufheitern.

 

Seit neuestem hat sie einen Knaben. Seine Mutter war eine treue Dienerin aus Indien und stand in ihrer Gunst, da sie sie oft sehr gut unterhalten hat. Bedauerlicherweise ist sie bei der Geburt des Knaben gestorben, so dass Titania sich ihr zuliebe um den Jungen kümmert.

 

Immer diese Sterblichen mit ihrem Sterben. Eine irritierende Eigenschaft. Ihr letzter heftiger Streit mit Oberon resultiert daraus, dass er den Knaben für sich haben wollte. Sie weiß gar nicht, was er mit dem Kind will. Eventuell ist er auch nur eifersüchtig, da sie mehr Zeit mit dem Knaben verbringt, als mit ihm. Dabei hat sie doch genug Kraft, sich um alles und jeden zu kümmern. Und überhaupt so ein Menschlein hält nicht lange vor.

 

Rollenportrait: Zettel

Niklaus Zettel weiß nicht, wo er herkommt. Seine Adoptiveltern erzählten ihm, dass er nach einem Schiffbruch angespült wurde und kaum noch Leben in ihm war. Er muss damals vielleicht 8 Jahre alt gewesen sein, aber wer weiß das schon. In einer guten Umgebung aufgenommen, entwickelte er sich prächtig. Seine Adoptiveltern  hatten nicht viel, aber da sie selbst keine Kinder besaßen, verwöhnten sie den kleinen Niklaus so gut sie konnten. Vermutlich hieß er nicht Niklaus, aber die Eltern fanden eben, dass er so aussah. Vom Vater erlernte er das Handwerk des Webers, und er übernahm nach dem Tod der Eltern das kleine Haus mit dem Webstuhl.

Niklaus hatte Talent, und er erwarb sich damit bald ein einträgliches Auskommen und einiges Ansehen. Geschätzt wurde die Qualität seiner Stoffe, weniger deren Muster. In der Tat bewies er große Fantasie beim Erfinden von Dessins, allerdings kam das bei Athenern nicht so gut an. Seine Tuche verkauften sich wie warme Semmeln, solange sie einfarbig waren. So saß dann Niklaus über die Jahre hinweg gelangweilt und in Tagträumen versunken an seinem Webstuhl, während das Schiffchen hin und her schnellte. Auch für die Athener Politik hatte er viele gute Ideen, aber zum Wohle seiner Gesundheit erkannte er früh, dass die Athener Aristokratie wenig Wert auf derartigen Fortschritt legte. So beschloss er denn auch Fantasie und Organisationstalent den örtlichen Handwerkervereinigungen zur Verfügung zu stellen; stets bereit seinen Mitmenschen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und seine Gaben zum Besten aller einzusetzen.

Gerne wäre Niklaus Zettel in ferne Länder gereist, aber dazu fehlten ihm die Mittel. So reiste er eben in seinen Tagträumen an ferne Gestade; vielleicht auch um dadurch irgendwie zum Ort seiner Herkunft vorzudringen. Überglücklich war er daher auch, als für den Hof des Herzogs  ein Unterhaltungsprogramm gesucht, und er Teil einer Amateurtheatergruppe werden durfte, die anlässlich der Hochzeit des Herzogs ein Stück zum Besten geben sollte. Um dem Herzog die Ehre zu erweisen, hatte er selbst (fast) schon eine ähnliche Idee, aber sein Freund Peter Squenz war ihm zuvorgekommen, und so tat er alles um seinem Freund bei dieser Herausforderung zur Seite zu stehen. Er hatte dem Peter sogar angeboten am Stück mitzuschreiben und ihm seine Wortkunst angedeihen zu lassen. Überhaupt war Niklaus so glücklich über diese Ablenkung, dass er am liebsten gleich alle Rollen selbst gespielt hätte. Und gab es denn etwas Edleres als die von den Göttern gegeben Begabungen in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen?!

Nach der ersten Vorbesprechung vereinbarten alle Teilnehmer sich fernab des städtischen Trubels und vor allem von missgünstigen Spionen im Wald zu treffen, um nach allen Regeln der Kunst ein tragisches Theaterstück mit lustigen Anteilen zu proben. Niklaus freute sich sehr wieder einmal Gelegenheit zu haben, in den Wald zu gehen, denn er liebte den Duft der Bäume und all die kleinen Leckereien, wie den wilden Honig, die köstlichen Waldbeeren und die Pilze

  Der Abend der Probe brach an. Alle erschienen pünktlich, und man begann die erste Szene. Niklaus sagte seinen Text geflissentlich auf, um dann, wie es die Rolle (und Meister Squenz) verlangte, abzugehen und in den Büschen auf sein Stichwort zu warten. War es des Tages Müh' und Arbeit oder der letzte Pilz, irgendwie wurde es Niklaus auf einmal recht sonderbar zumute. Er musste wohl eingeschlafen sein und sogar geträumt haben - von Elfen und einem Esel. Einen solchen Traum hatte Niklaus Zettel noch nie gehabt, und dieser war schon deswegen einzigartig, weil er sich so real angefühlt hatte. Er war sich nicht sicher, ob er wohl gern weiter geträumt hätte.

  Aber auch das wirkliche Leben schien ein Traum zu sein, denn bald konnte er seinen Freunden gratulieren und ihnen mitteilen, dass die Wahl des Herzogs auf sie gefallen sei, und sie alle die Ehre hätten, ihr Stück dem Herzog, seiner Gemahlin und den anderen Hochzeitsgästen darzubringen. Niklaus war sich sicher, dass sie Triumphe feiern würden, denn das Stück war gut, die Requisiten und Kostüme vom Feinsten, die Schauspieler exzellent. Zumindest er selbst - er war der geborene Schauspieler. Bei den anderen war er sich da nicht so sicher. Wie kam Squenz nur dazu dem sanftmütigen Schreiner Schnock die Rolle des Löwen zu geben? Wo der doch noch verträumter war, als Zettel selbst und zu allem immer ein bisschen länger brauchte als anderen. Dabei wäre er, Niklaus, der viel bessere Löwe gewesen! Sei's drum, das Stück musste gefallen und der Herzog würde ihnen auf ewig gewogen sein. Es konnte gar nicht anders kommen…

 

 

 

Das Alleinstellungsmerkmal

 

Früher war alles besser. Die Theatergruppe Siemens Erlangen kündigte ihr nächstes Stück an und die Zuschauer strömten. Heutzutage braucht es etwas Besonderes, ein Alleinstellungsmerkmal, um in der Menge der Freizeitangebote nicht unterzugehen. Aber was?

 

 

Wie so oft fanden nicht wir die Lösung sondern die Lösung uns. Und das kam so:

 

 

Wenn Stück und Besetzung gefunden sind, ist eine der ersten Amtshandlungen der Regie die Planung der Bühne. Dabei muss nicht der nur für den Zuschauer sichtbare Teil geplant werden, sei es Wohnzimmer, Schlosshalle oder Waldlichtung.  Gedanklich entsteht um den Bühnenraum ein Schlossanlage, ein Wohnhaus, eine Landschaft. Bei der Planung der Bühne für „Hamlet“ war für mich schnell klar, „links“ (vom Zuschauer aus) „geht es ins Freie. Rechts in den Wohntrakt. Hinten in die Gemächer des Königs“. Ein solches Gedankengebäude erleichtert es auch den Schauspielern, sich ihre Auftritte zu merken. Als ich die „Gänge“ der ersten Szenen vor der Probe mit meinem Assistenten und Hauptdarsteller durchging, wurde allerdings schnell klar, dass mein Empfinden, wie es sich mit Helsingörs Räumlichkeiten verhält, nicht dem seinen entsprach. Im Gegenteil. „Dachte ich‘s mir doch, das hast Du genau falsch herum geplant, hier rechts geht’s nach draußen, also kommt Horatio von rechts in den Thronsaal.“ So sein vernichtendes Urteil. „Das kann gar nicht sein“, wehrte ich mich, „das sieht doch jeder, dass es links nach draußen geht“. Viele derartige Diskussionen folgten. Mein Bühnen-Feng-Shui und das meines Hauptdarstellers waren einander entgegengesetzt. Aber da es den anderen Schauspielern egal war, Hauptsache man entscheidet sich mal, und die Regie das letzte Wort hat, blieben die Auftritte wie ursprünglich geplant. Mein Feng Shui behielt die Oberhand, und dem Spiel meines „Hamlet“ tat es keinen Abbruch. „Prima“, dachte ich, „er hat eingesehen, dass ich Recht habe.“

 

Doch vor einigen Wochen, als das Gespräch auf unsre „Hamlet“-Inszenierung kam, explodierte er förmlich: „Die Gänge waren alle verkehrt herum, wir haben „Hamlet“ seitenverkehrt gespielt“ – Da war es – unser Alleinstellungsmerkmal!. Wir sind die einzige Theatergruppe auf der Welt die „HamletSEITENVERKEHRT gespielt hat!

 

Das ist doch was.

 

Sa

12

Mär

2016

Theaterkritik in den Erlanger Nachrichten

Gebannt wie in kaum einem Jahr zuvor warteten wir dieses Jahr auf die Kritik in den Erlanger Nachrichten.

Immerhin hatten wir zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ein ernstes Stück gespielt, und nicht nur das: Natürlich musste es gleich Hamlet sein.

War das wirklich die beste Idee? Ja die Kritik und Zuschauer dieses Jahr haben uns bestätigt.

Lest es selbst:

 

Gebannt wie in kaum einem Jahr zuvor warteten wir dieses Jahr auf die Kritik in den Erlanger Nachrichten.

Immerhin hatten wir zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ein ernstes Stück gespielt, und nicht nur das: Natürlich musste es gleich Hamlet sein.

War das wirklich die beste Idee? Ja die Kritik und Zuschauer dieses Jahr haben uns bestätigt.

Lest es selbst:

 

Auszug unserer Kritik aus den Erlanger Nachrichten vom 08.03.2016

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Di

01

Mär

2016

Die Bühne steht und plötzlich ist alles anders

Endlich geht es los. Seit einem Jahr haben wir auf diesen Moment hingearbeitet. Jetzt wird es Ernst. Beim Aufbau der Bühne kam man sich vor wie in einem Riesenbaukasten. Wann hat man schon die Gelegenheit, ganz alleine eine „Steinsäule“ hochzustemmen und auf der Schulter durch die Gegend zu tragen?

 

 

Jetzt steht die Bühne und wird eingewohnt. Noch herrscht fröhliches Chaos. Gänge und Auftritte müssen geändert werden, denn jetzt sind plötzlich Podeste und Säulen im Weg. Es stellt sich heraus, dass 30 cm hohe Stufen für Frauen in langen Kleidern doch sehr hoch sind. Und durch welche Gasse ging es hier nochmal raus?

 

 

Jetzt zeigt sich auch, was geht, und was nicht geht. Auf dem „massiven“ Steinquader zu stehen, geht zum Beispiel wunderbar. Wenn man die richtige Seite erwischt. Und wie kriegt man das Loch in der dünnen Seitenwand jetzt wieder zu? Yoricks Schädel in der „Totengräberszene“ sichtbar auf einem der Säulenstümpfe zu platzieren, scheint zunächst auch eine gute Idee zu sein. Doch ausgerechnet hier kommt es zum Gerangel zwischen Hamlet und Laertes, deren Wut sogar „massive“ Säulen erbeben lässt. Ein neuer „Yorick“ ist auf dem Weg.

 

 

Währenddessen werden im Zuschauerraum mit Hochdruck letzte Änderungen an den Kostümen vorgenommen. Die Mädels mit LARP-Erfahrung zeigen den „Soldaten“ wie man ein Schwert richtig hält. Im Zuschauerraum stöhnt der „Geist“, Hamlets Vater, als er seinem „Sohn“ auf der Bühne zusieht: „Mann, so hält man keinen Dolch! - Das ist alles die Schuld seiner Mutter!“

 

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